Fragen zum Sonntag Für Alsfelder Allgemeine vom 4.2.2012: Predigtwort zum Sonntag „Septuagesimä“: So liegt es also nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Röm. 9, 16 Ich kann mir eigentlich kaum ein Bibelwort vorstellen, das mehr Widerspruch erwecken könn- te als dieses! Und gleichzeitig gibt es wohl kaum einen Vers in der Bibel, der besser auf den Punkt bringt, was für Menschen gilt, die sich auf Gott berufen und ihre Zeit mit ihm gestalten: „Es liegt nicht an unserem Wollen oder Laufen...“ Nicht wir machen unser Leben. Nicht wir haben uns die Gaben gegeben und zu verdanken. Nicht wir schaffen die Taten, die Erfolge, die Erträge unserer Lebensreise. Gott ist es, der alles gibt, in Händen hält und ans Ziel führt. Sein Erbarmen ist alles. Seine Gnade entscheidet über Werden und Vergehen, über die Anlage und die Frucht eines Lebens; selbst der Glaube ist ja sein Geschenk und wenn wir keinen haben, dann ist er es, der ihn uns verweigert. Das alles schreibt sich hier ja noch ziemlich leicht. Das liest sich vielleicht auch noch ganz gut. Aber die Praxis unseres Lebens und Denkens ist doch meist weltenweit davon entfernt. Wer glaubt denn wirklich, dass er nichts sich selbst verdankt? Wer geht denn allen Ernstes davon aus, dass er sich nur und ausschließlich der Gnade Gottes verdankt? Nicht einmal ganz über- zeugte Christen denken doch so, wenn wir ehrlich sind. Aber wie soll man denn sonst verstehen, dass einer ständig auf das hinweist, was „er sich auf- gebaut“ hat? - Müsste er nicht eigentlich sagen: Schaut nur, wie reich ich von Gott beschenkt bin! Und wie soll man denn begreifen, wenn eine z.B. über „ihre Mühe in der Erziehung der Kinder“ spricht und „wie die Kleinen doch geraten“ sind. - Allenfalls staunen könnte sie doch über das, was allein Gott geschafft hat bei ihren Kindern! Oder welche Berechtigung haben all die Sprüche von „unserer Leistung“, „unseren Anstrengungen und Erfolgen im vergangenen Geschäftsjahr“, „dem gelungenen Einsatz des Kollegen Schmidt bei der Erschließung neuer Märkte“ oder auch „der geschickten Finanzpolitik“ dieses oder jenes Politikers. Wenn das Wort hier oben über diesen Fragen stimmt, dann ist das alles doch eigentlich Gottes Gabe! Er gibt die Ideen, die Tatkraft, die Ausdauer, die Geduld...eben alles! Aber wie selten ist von diesem Gott überhaupt nur die Rede, wenn wir von unseren Aktivitäten, Leistungen und Erfolgen sprechen! Ich glaube, so ganz werden wir - auch wo wir Christen sein wollen - nicht wegkommen von diesem Reden und Denken! Diese Zeit mit allen Errungenschaften (nicht wir haben’s errun- gen!) legt uns den Selbstruhm ja auch immer wieder nah. Aber vielleicht können wir ja we- nigstens in unseren innersten Gedanken wieder die Demut lernen. Wir könnten ja etwa bei de- nen, die uns vertraut sind, die uns das also nicht als Schwäche auslegen werden, auch einmal einfließen lassen: „Du, ich habe viel erreicht, aber ich weiß, dass letztlich Gottes Segen dahin- ter steht!“ Oder wir sagen vielleicht: „Wenn mir Gott nicht diese Kräfte geschenkt hätte, dann hätte ich nichts machen können.“ Oder man hört aus unserem Mund hin und wieder so etwas: „Ich kann so viel, und mir geht's so gut - ich bin Gott dankbar dafür!“ Im Übrigen würden wir damit auch noch einmal den Gedanken der Jahreslosung aufnehmen: „Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Aber zurück zu dem Wort, das wir heute bedenken: „So liegt es also nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“ Ob es uns nun gefällt oder nicht, dieses Wort ist einfach wahr. Ob wir seine Wahrheit nun in unserem Reden und Leben verwirklichen oder nicht, es bleibt eine Tatsache, dass wir nichts tun und ausrichten können, wenn Gott seine Gnade von uns abzieht. Auf der anderen Seite dürfen wir uns ja auch an dem freuen, was wir schaffen und erreichen. Nur vergessen wir nie die angemessene Haltung eines Christen. „Demut!“ heißt sie. Und „De- mut“ hat ein Zeichen: Die Dankbarkeit. Und dankbar zu sein, tut nicht weh und macht wenig Mühe, aber sie macht Gott Freude und tut auch uns selbst gut. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken! Pfr. Manfred Günther (Im Internet: http://www.predigt-eichendorf.de)