1. Andacht zu (Passions-)Liedern Lied: 347 „Ach bleib mit deiner Gnade" v Lied: Jesu deine Passion... 88, 1 v Psalm 22 Jesu Leidenspsalm v Lesung: Matth. 26, 17-35 v Lied: 347, 1 Ich denke bei diesem Vers an Judas. Er hätte es sich gewiß nicht ein- mal im Traum einfallen lassen, daß er irgendwann seinen Herrn verra- ten würde. Er war ein sehr ernsthafter und treuer Jünger. Er hatte die Kasse der Schar um Jesus. Er war immer einer, dem man vertrauen konnte, ein aufrechter, verantwortungsbewußter Mensch. Bis zu die- sem Tag, an dem ihn des "bösen Feindes List" ereilt. Und ich denke an uns, die wir uns doch sicher glauben, daß wir niemals zu so etwas imstande wären... Und ich bitte mit diesem Vers: Ach bleib mit deiner Gnade... v Lied: 347, 2 Ich denke bei diesem Vers an alle Jünger in diesen letzten Erdentagen Jesu. Wie schwer sie es in diesen letzten Lebensstunden Jesu lernen müssen, daß er bald nicht mehr bei ihnen sein wird, daß er sein Wort nicht mehr lange an sie richten wird, daß sie bald schrecklich einsam und allein sein werden. Wie muß ihnen das, was er hier sagt, so kost- bar gewesen sein. Alles, was man ja kurz vor einem Abschied sagt, wird ja hinterher so wichtig! Und ich denke an uns und bin dankbar dafür, daß dieser Jesus mit uns wieder redet, in anderer Form zwar, aber doch vernehmlich und laut. Ich bin dankbar, daß wir im Gebet, in der Heiligen Schrift, und in unseren innersten Gedanken jederzeit mit ihm sprechen können und er uns immer nahe ist, und ich bitte: Ja, Herr, bleib mit deinem Wort bei uns! v Lied: 347, 3 + 4 Ich denke bei Glanz, Segen und Gnade, von denen diese Strophen singen an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Und ich denke, wie tröstlich es doch ist, daß Jesus seinen Leuten noch einmal dieses Zei- chen gibt: Daß er mit ihnen ißt und trinkt, Gemeinschaft hat und Nä- he. Und ich denke besonders an Judas und Petrus, den Verräter und den Verleugner. Sie dürfen auch dabei sein. Sie werden nicht ausge- schlossen. Erst als sich Judas aufmacht, um seinen Verrat zu begehen, erst da trennt er sich selbst von seinem Herrn. Hier aber sind sie noch zusammen. Die Guten und weniger Guten, die Standhaften und die, die umfallen werden. Und Jesus weiß ja, wie er mit jedem Einzelnen dran ist. Mir gibt das auch Trost, daß unser Herr den nicht verachtet, der schwach ist, daß er den auch bei sich haben will, der versagt, ja daß er selbst den noch mit seiner Nähe beschenkt, mit seinem Glanz, Segen und Gnade, der ihn verraten und verkaufen wird. v Lied: 347, 5 Hier schließlich denke ich an Petrus. Was hat er den Mund vollge- nommen! "Ich werde dich nicht verlassen, auch wenn sie's alle tun!" Wie tief ist er in seinem Hochmut gefallen, wie tief. - Und ich denke an mich und uns alle. Wie gern reden wir groß und wie stark schätzen wir uns ein! Und wie tief fallen wir und sind wir vielleicht schon gefal- len oder könnten wir doch fallen! Weil wir schwach sind und klein, uns gern überschätzen und doch so wenig fertigbringen, wenn die Wi- derstände und die Ängste kommen. Und ich erkenne: Wie sehr wir doch den Schutz unseres Herrn nötig haben, daß uns "der böse Feind nicht trutze, noch fäll die böse Welt"! Und ich hoffe, daß Gott mir und uns trotz all unserer Schwäche und unserem Versagen auch mit seiner Treue nah bleibt und mich auch in schwerer Lebenszeit beständig bei ihm hält und uns schließlich aus al- ler Not des Leides und des Todes in das Leben führt. - Davon wollen wir gleich noch mit der letzten Strophe singen. Ich spreche noch ein Gebet. (Gebet - frei) v Lied: 347, 6