Ein Wort zu dieser Andachtsreihe: Diese Andachten stellen einen Psalm und den Wochenspruch vor eine kurze Auslegung. Eine Lesung aus der Leidensgeschichte, Lied und Gebet können die kleinen Passionsandachten abrunden. 3. Passionsandacht zu den Wochensprüchen Eingangspsalm: Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Herr, warum stehst du so ferne, verbirgst dich zur Zeit der Not? Weil der Gottlose Übermut treibt, müssen die Elenden leiden; sie werden gefangen in den Ränken, die er ersann. Denn der Gottlose rühmt sich seines Mutwillens, und der Habgierige sagt dem Herrn ab und lästert ihn. Der Gottlose meint in seinem Stolz, Gott frage nicht danach. "Es ist kein Gott" sind alle seine Gedanken. Er fährt fort in seinem Tun immerdar. Deine Gerichte sind ferne von ihm, er handelt gewaltsam an allen seinen Feinden. Er spricht in seinem Herzen: "Ich werde nimmermehr wanken, es wird für und für keine Not haben." Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug; seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an. Er sitzt und lauert in den Höfen, er mordet die Unschuldigen heimlich, seine Augen spähen nach den Armen. Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht, er lauert, daß er den Elenden fange; er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. Er duckt sich, kauert nieder, und durch seine Gewalt fallen die Unglücklichen. Er spricht in seinem Herzen: "Gott hat's vergessen, er hat sein Antlitz verborgen, er wird's nimmermehr sehen." Steh auf, Herr! Gott, erhebe deine Hand! Vergiß die Elenden nicht! Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Kurzansprache: Der Spruch für diese Woche (Reminiscere) heißt: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm. 5,8 In diesem Wort liegt eigentlich das ganze Evangelium! Wir halten es nämlich völlig anders: Wenn unsere Mitmenschen freundlich und gut zu uns sind, dann werden wir das auch sein. Wenn uns der Nachbar anständig fragt, dann werden wir ihm auch anständig antworten. Und überhaupt: Wer uns angemessen behandelt, der kann auch damit rechnen, daß wir uns ihm gegenüber genauso verhalten. Soviel zu uns. Gott hält es anders - Gott sei Dank! Wir sind eben nicht freundlich und gut mit ihm - trotzdem schenkt er uns seine Liebe. Wir fragen nicht anständig, sondern fordern und werfen ihm vor, wenn er uns nicht gibt, was wir von ihm erwarten und verdient zu haben glauben. Und angemessen ist unser Umgang mit Gott schon gar nicht, vielmehr anmaßend und unverschämt: Wie oft haben wir heute an Gott gedacht? Und wie oft war es ein dankbarer Gedanke und wie oft einer, der vor klagt, ja, ihn anklagt? Gott erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. - Ich glaube, die rechte Liebe müßte auch bei uns so aussehen, daß wir keine Vorgaben fordern, keine Erwartungen hegen, sondern zuerst lieben, zuvorkommend freundlich und gütig sind mit unseren Nächsten! Gewiß ist das schwer! Wer aber sagt, daß es unserem Gott so leicht fällt, uns mit seiner Liebe entgegenzukommen? Einmal hat es ihn seinen Sohn gekostet. Und ich glaube, auch heute tut es unserem Vater im Himmel immer wieder weh, wenn wir so wenig Liebe zu ihm und unseren Mitmenschen aufbringen und immer wieder nur so weit kommen: Wenn du mit gut bist, dann will auch ich dir gut sein. Könnten wir doch ein wenig von Gottes Liebe zu uns lernen! Wir wären nicht nur der Liebe, sondern auch einem großen Glück auf der Spur! Denn das macht Freude und darin liegt das Geheimnis des Glaubens, daß wir zuerst lieben, zuerst freundlich und mitmenschlich sind. Und ansteckend ist es auch.