Wer Gott nicht sehen kann von Manfred Günther Wer Gott nicht sehen kann, der fang zu schauen an: Die Dinge um uns her, die Berge und das Meer, der Wald, der Wolken Grau, der Fluß, das Himmelsblau, die Menschen, die Natur sind seiner Hände Spur. Wer Gott nicht sehen kann, der fang zu schauen an. Wer Gott nicht fühlen kann, der fang zu spüren an: Die Luft die uns umgibt, die Mutter, die uns liebt, die Freude, die das macht, wenn einer mit uns lacht, die Wärme, die es schenkt, wenn einer an uns denkt. Wer Gott nicht fühlen kann, der fang zu spüren an. Wer Gott nicht trauen kann, der fang zu staunen an: Wie klein, wie taub und blind, wie stolz und hart wir sind, wie böse und verkehrt - und doch von ihm geehrt, sein Freund, sein Kind genannt, geführt an seiner Hand. Wer Gott nicht trauen kann, der fang zu staunen an. Wer Gott nicht glauben kann, der fang zu hören an: Der alles trägt und hält, kommt selbst als Mensch zur Welt, wird elend, arm und klein, um so wie wir zu sein, teilt Menschenleid und Not, erlöst uns durch den Tod. Wer Gott nicht glauben kann, der fang zu hören an. Wer Gott nicht loben kann, der fang zu schweigen an. Dann wird, was Gott erschuf, zu Stimme, Lied und Ruf, der seine Ehre preist, ihm Lob und Dank erweist, bis Welt und Erdkreis klingt und alle Schöpfung singt. Wer Gott nicht loben kann, der fang zu schweigen an.