Predigt am Sonntag "Quasimodogeniti"

(weitere Predigten, Texte, Lieder, Gedichte und die Predigt zum aktuellen Sonntag der laufenden Perikopenreihe unter: http://www.predigt-eichendorf.de/ )

Textlesung: 1. Petr. 1, 3 - 9

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Liebe Gemeinde!

Hier ist sie wieder, diese ewig wiederkehrende Sicht der Dinge und des Lebens, wie sie uns fast auf jeder Seite der Bibel entgegentritt: "Eine kleine Zeit traurig - dann aber Freude; mancherlei Anfechtungen - damit euer Glaube als echt und geläutert befunden werde; heute Entbehrungen, Nöte, Schwierigkeiten - einmal aber der Seelen Seligkeit!" Mir gefällt diese Sicht! Ich weiß aber, daß sie vielen Menschen nicht gefällt.

"Das ist vertröstende Theologie", sagen die Theologen. "Das muß doch nicht immer so sein", sagen andere Christen. "Das interessiert mich keinen Augenblick", sagen die Weltkinder. "Damit könnt ihr aber niemand für die Sache Christi begeistern", warnen manche, die sich um den Bestand des Christentums sorgen. "Ihr wollt damit nur Macht über die Menschen gewinnen", werfen uns die Gegner des Christentums vor. "Wenn die böse Zeit kommt, dann kommt sie, wenn nicht, um so besser", meinen ganz Sorglose.

Und noch viele andere sagen und meinen und denken und reden - auch zu dieser Frage: Steht vor der Freude immer die Trauer, die Not, das Schwere, die Entbehrung und gar das Leid?

Der biblische Befund ist klar: So ist es und nicht anders! Beispiele gewünscht? Da fange ich vorne an, bei Mose und höre hinten erst auf: In der Offenbarung. Aber ich will mich auf einige wichtige Stellen beschränken: Abraham muß erst die Fremde, die Heimatlosigkeit kennenlernen, bevor er das gelobte Land sieht und bewohnen darf. Josef wird von seinen Brüdern als Sklave verkauft, sitzt lange unschuldig im Gefängnis und wird am Ende der 2. Mann im Staat Ägypten und der Retter seiner Familie vor dem Hungertod. David muß erst die Schrecken des Kampfes gegen Goliath bestehen - dann wird er der König von Israel. Zachäus muß erst durch den Spott der Menge Spießrutenlaufen - Jesus aber kehrt gerade bei ihm ein und gibt seinem Leben einen neuen Anfang. Und Jesus selbst ist das beste Beispiel für diese Sache: Durch Leid und Sterben hindurch führt sein Weg zu Auferstehung und neuem Leben! Und schließlich Petrus, dem die Verse des Predigttextes heute zugeschrieben werden: Er verleugnet und versagt, er weint und zerbricht fast an sich selbst, aber er kommt zu neuem Ansehen, neuer Ehre und neuen Aufgaben: "Weide meine Lämmer!", sagt Jesus nach Ostern zu ihm. Muß es also nicht immer so sein: Durch die Trübsal, die Anfechtungen zur Freude?

Wir sind wahrscheinlich nicht alle überzeugt davon. Ich denke, die Meinung hier ist geteilt. Ich glaube überdies, sie ist etwa so geteilt, wie wir zu denen "in der Trübsal" und denen "in der Freude" zählen. Das bringt mich auf einen Gedanken, wie wir uns diesen Worten heute vielleicht ein wenig nähern können und dieser Sache: Durch Leid zur Freude. Lassen wir's noch einen Moment offen und unentschieden, ob es Freude auch ohne vorherige dunkle Zeit geben kann. Sehen wir einmal, wie die einen und die anderen fühlen, die in den trüben Lebensabschnitten und die in den hellen: Wer im Leid ist, wer gerade eine schwere Wegstrecke bestehen muß, der wird sich gewiß sehnen, daß es bald anders wird und der wird sich freuen, wenn er heute hört: Es währt nur eine kleine Zeit, dann werdet ihr aus dem Feuer hervorgehen, geläutert wie Gold, dann seit ihr am Ziel, dann beginnt das Leben und die Freude.

Wie ist es bei den anderen? Die werden sicher festhalten wollen, was sie heute in Händen haben. Die sind nicht versessen darauf, daß es anders wird, was ihnen doch gefällt. Ja, die wünschen sich höchstens, daß die Freude, die sie genießen können, noch vollkommener wird und gleich bis in die Ewigkeit dauert. Wenn die dieses Wort heute ernst nehmen, dann könnte es Schrecken bei ihnen auslösen: Nur durch das Feuer hindurch geht es zum Ziel des Glaubens! Erst muß die Trübsal bestanden werden, dann wird es Licht! -

Nein, das wird sich keiner, der gerade gute Tage hat, gerne sagen lassen! Deshalb glaube ich auch, daß in unseren Kirchen und wohl auch heute morgen! - überwiegend Menschen zusammenkommen, die den Schatten und die Härte des Lebens erfahren müssen. Für die ist die Botschaft der Bibel immer wie Balsam für die Seele, denn diese Botschaft ist nunmal: Nach dem Leid die Freude! Was wollen wir jetzt also noch diese Frage klären: Ob es denn immer so sein muß? Es ist in der Bibel meistens so. Es ist im Leben - in das die Worte der Bibel ja sprechen wollen - meistens so. Und wir - jedenfalls die meisten von uns - erhoffen es uns auch so, denn wir haben Trübsal und müssen gerade durchs Feuer. Gehen wir lieber noch einem anderen Gedanken nach - er wird auch für die meisten von uns tröstlich sein: Wenn das so ist - und wir haben ja keinen Zweifel daran, daß es so ist, dann liegt in der Trübsal, in der wir gerade sind, doch schon der Keim der Freude. Ein erstes Aufleuchten des zukünftigen Lichtes ist schon in unseren Herzen! Eine Ahnung der Herrlichkeit, die für uns einmal anbricht, können wir schon haben! Wir dürfen gewiß sein: Das Feuer, in dem wir auch brennen und schmerzhaft, leidvoll mancherlei Qualen erfahren, wird uns läutern. Es wird uns einmal hergeben müssen, entlassen müssen, dann werden wir froh und frei sein und wir werden wissen, warum wir das alles erst hinter uns bringen mußten!

Und noch eins, eine weitere Freude im Leid sozusagen: Es trennt uns ja nicht von Gott, was wir erleiden müssen, wie wir sehen. Wir sind hier. Wir lassen uns diese Botschaft von der Freude hinter der Trübsal sagen. Wir können das hören, ohne uns von Gott abzuwenden, der uns doch den bitteren Kelch trinken läßt. Das mag uns gewiß machen, daß dieses Leid ein Ziel hat und Segen schenkt und Gottes Plan entspringt und sein Wille ist. -

Nein, es ist kein schlechtes Zeichen, wenn wir durch dunkle Zeiten müssen! Was soll ich den anderen sagen, denen, die bis heute nur die Freude kennen? Wie gesagt, sehr viele davon werden nicht hier sein. Ich fürchte auch, sie können das nicht verstehen: Wie kann denn Freude im Leid liegen? Was kann denn segensreich daran sein, wenn man einen dunklen Weg geführt wird?

Ich will nur dies sagen: Ich wünsche allen, die nur die gute Zeit kennen, daß sie auch dann, wenn es sich ändert, die Hand Gottes nicht verlieren. Und ich wünsche ihnen dann diese Erfahrung: Daß Leiden wie das Feuer läutert. Daß Trübsal den Glauben stärkt und reiner macht - wie die Flamme das Gold. Daß ein Ziel hinter allem Dunkel auf uns wartet, für das sich Entbehrung und Geduld, Kampf und standhaftes Vertrauen lohnt. Wir wollen noch im Lied von dieser merkwürdigen Wahrheit singen, daß im und hinter allem Leid die Freude liegt!

(In dir ist Freude in allem Leide... EG 398)

Die Predigt wurde gehalten von Pfr. Manfred Günther, Lohgasse 11, 35325 Mücke/Groß-Eichen