Predigt zum Sonntag "Septuagesimä"

(weitere Predigten, Texte, Lieder, Gedichte und die Predigt zum aktuellen Sonntag der laufenden Perikopenreihe unter: http://www.predigt-eichendorf.de/ )

Textlesung: 1. Kor. 9, 24 - 27

Wißt ihr nicht, daß die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, daß ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

Liebe Gemeinde,

das sind schon starke Vergleiche in der Bibel! "Kampfbahn" - wie sich das anhört! "Kämpfen mit der Faust" - "nur einer empfängt den Siegespreis" - Wirklich: Die Heilige Schrift, Jesus, Mose, Paulus...sie alle nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie malen vielmehr Bilder vor die Augen der Menschen, die sie kennen und verstehen müssen. Und sie deuten diese Bilder auf Wahrheiten hin, die sie begreifen sollen.

Aber schauen wir uns dieses Bild näher an: "Die in der Kampfbahn laufen..." Da entsteht vor dem damaligen Menschen das Bild der Arena. Er sieht die Läufer um das große Oval laufen, er weiß, sie strengen sich an zu gewinnen, vielleicht hört er in seinem Innern sogar ihr Keuchen, ihren rasselnden Atem, wenn sie ihr letztes geben... "Ich kämpfe mit der Faust..." Da hat der Mensch damals die Wettbewerbe der Gladiatoren vor Augen. Sie traten gegen wilde Tiere, aber auch gegeneinander an. Für die besten winkte ein hoher Preis: Wenn sie vorher Sklaven waren, konnten sie sogar freigelassen werden, wenn sie sich nur gut schlugen und so das Ansehen ihres Herrn mehrten. So ist es auch in unserem Leben als Christen, sagt Paulus. Wie gesagt, die damaligen Menschen waren gleich im Bild. Wie geht es uns damit? Ob wir für uns diesen Vergleich etwas zeitgemäßer gestalten müßten, daß wir ihn auch verstehen? Vielleicht so:

Wißt ihr nicht, daß die, die in Fabrik und Büro schaffen, die arbeiten alle, aber nur einer kann Vorarbeiter oder Abteilungsleiter werden? Arbeitet so, daß ihr es werdet. Jeder aber, der arbeitet, enthält sich aller Dinge, die das berufliche Fortkommen schmälern; jene nun, damit sie das weltliche Ansehen und Einkommen ihrer Stellung empfangen, wir aber für Gottes ewige Verheißung. Ich aber schaffe nicht wie aufs Ungewisse; ich setze mich mit vollen Kräften ein, nicht wie einer, dem alles gleichgültig ist, sondern ich gebe alles, bin diszipliniert und habe das Ziel immer vor Augen, damit ich nicht andere dazu ermutige, mehr zu leisten und selbst faul und gleichgültig werde. Ich denke, das alte Bild im neuen Gewand kommt uns näher als die Worte des Paulus zu Beginn. Aber trotzdem: Das bleiben seltsame Gedanken! Sind sie nicht fast anstößig im Zusammenhang mit dem Glauben und einem Leben als Christ und Christin? Wollen wir denn gewinnen gegen die anderen? Gibt es Sieger und Besiegte, Vorarbeiter und Unterstellte, kommt es auf Leistung an oder ist Gottes Liebe und sein Versprechen des Ewigen Lebens nicht Geschenk?

Liebe Gemeinde, ich denke ja, das alles soll uns nur eines deutlich machen (und das ist sehr ähnlich dem, was wir vor einer Woche gehört haben): Die Sache Gottes in unserem Leben ist viel wichtiger als alles! Sie muß Mittelpunkt all unseres Denkens, unseres Strebens und Handelns sein - und wo sie es nicht ist, muß sie es werden. Gemessen daran, was es für uns bedeutet, selig zu werden, mit Gott ins Reine zu kommen, das ewige Leben zu erlangen und wie wir das Ziel unseres Lebens noch beschreiben mögen, gemessen daran ist alles andere unwichtig, lächerlich gering und nicht wert, daß wir auch nur einen Gedanken oder gar unsere Kraft daran verschwenden. Noch einmal ganz klar und unmißverständlich: Nein, Paulus will uns nicht zu Schaffern für die eigene Sache machen. Nein, er will nicht die Ellenbogenmenschen unter uns ermutigen, die anderen nur kräftig an die Wand zu drücken. Es geht ihm darum, daß wir begreifen: Gottes Verheißung lohnt jeden Einsatz! Wenn überhaupt für etwas, dann müssen wir uns dafür stark machen, daß wir Gottes ewiges Reich sehen! Dabei weiß gerade Paulus schon, daß wir uns die Seligkeit ja gar nicht verdienen und sie mit all unserem Schaffen und Schuften niemals erreichen können. Daß sie vielmehr Geschenk ist. Vielleicht können wir es so sagen: Wenn wir doch für so vieles eigentlich Unwichtige in dieser Welt bereit sind, uns schier verrückt zu machen, uns krummzulegen und mit allen Kräften dafür zu arbeiten, dann ist es ganz und gar nicht zu verstehen, wenn wir bei der Sache Gottes mit uns so tun, als ginge sie uns überhaupt nichts an! Andererseits - und das gilt damals wie heute - wie sollen die Menschen es denn anders verstehen, worum es geht, als wenn wir sie da ansprechen, wo ihr Herz zunächst einmal schlägt und woraufhin all ihr Streben, ihr Schuften und Schaffen ausgerichtet ist? Und das ist bei einem Läufer, daß er den Siegeskranz erwirbt. Und das heißt für den Gladiator, daß er die Mitstreiter bezwingt. Und das bedeutet für den kleinen Angestellten oder Arbeiter, daß er es zum Abteilungsleiter oder Polier bringt. Deshalb dürfen wir nun trotzdem nicht denken, Gottes Himmel wäre käuflich oder wir könnten auch nur durch unsere Taten fördern, daß wir ihn erlangen. Aber ich will noch ein paar ganz praktische Gedanken sagen. Da wird manches klarer, als wenn wir immer wieder nur Worte deuten und auslegen, so und dann wieder anders sagen, von dieser und dann jener Seite sehen.

Vielleicht könnten wir die Botschaft des Paulus an uns auch so ausdrücken: Ihr ganz jungen Leute, die ihr euch den Weg ins Berufsleben bahnen, ja heute oft erkämpfen müßt. Wie viele Bewerbungsbriefe habt ihr doch geschrieben! In welchen Berufen seid ihr nicht alles bereit zu arbeiten, auch in solchen, die ihr nie angestrebt habt. Welch lange Wegstrecken zum Arbeitsplatz nehmt ihr doch auf euch. Für welche Arbeiten gebt ihr euch doch wieder her, nur daß ihr nicht ganz ohne Ausbildungsplatz und ohne berufliche Perspektive dasteht. -

Und im Glauben, in Gottes Sache...was tut ihr da? Oder besser: Was hat sie für euch überhaupt noch für eine Bedeutung? Was bringt ihr da auf und ein? Oft nicht viel mehr als - nichts. - Bloß: Bei der Arbeit, dem Arbeitsplatz geht es um ein paar Jahre in dieser Welt, und das auch nur, wenn Gott sie euch schenkt. In der Sache des Glaubens geht es um nicht weniger als die Ewigkeit! Und ihr Menschen mitten im Leben, ihr Ehepaare und Familien... Was steckt ihr nicht alles an Kräften in den Bau eines Hauses. Auf wieviel verzichtet ihr doch, um das Ziel, das ihr euch gesetzt habt, zu erreichen. Kein Urlaub - manchmal über Jahrzehnte. Jeder Cent zum Abzahlen des Darlehens. Immer wieder sagen müssen: Das können wir uns nicht leisten, noch nicht. Aber wie unwichtig nehmt ihr auf der anderen Seite euer Lebenshaus: Ob euch ein Glaube trägt. Ob euch die Hoffnung beseelt. Ob ihr Vertrauen haben könnt und ihr Gottes Liebe empfangt und teilt. Und das alles, obgleich diese Dinge überhaupt nichts kosten und euch immer wieder gern angeboten werden. - Nur: Euer Haus aus Stein wird zerfallen, früher oder später. Euer Lebenshaus kann für immer bei Gott bestehen! Und ihr Alten. Wie viele Sorgen macht ihr euch um die Pflege am Ende eurer Tage. Ob die Rente reicht. Ob einer aus der Familie euch nehmen wird oder ihr ins Heim müßt. Ob dann nicht alle Ersparnisse aufgezehrt werden und ihr nichts mehr zu vererben habt. Das sind bedrängende, bedrückende Gedanken, o ja! Darüber kann man schlaflose Nächte haben! Das kann einem die eigentlich doch noch gesunden, rüstigen Jahre des Alters vergällen. Aber warum spielt bei so vielen älteren Menschen diese kurze Zeit des Siechtums, die paar Jahre in denen wir vielleicht der Pflege bedürftig sind, diese gewaltige Rolle? Warum sorgen sie sich aber gar nicht um das danach? Warum beschäftigt der Tag, an dem sie doch vor Gott treten müssen, die Menschen so gar nicht? Müßte davor nicht alles verblassen, was doch nur ein paar Jahre der Hinfälligkeit betrifft? - Nein: Man sorgt sich um eine kurze Spanne Lebens. Die Ewigkeit scheint keine Bedeutung zu haben.

Liebe Gemeinde, ich glaube fest, darum geht es Paulus: Daß wir begreifen, wie verkehrt unser Nachdenken und Grübeln, unser Mühen und Schaffen eigentlich ausgerichtet ist. Darum sagt er: Lauft so, daß ihr den Siegespreis empfangt. Kämpft mit der Faust und schlagt nicht nur in die Luft. Wenn ihr euch schon mühen und anstrengen wollt, dann wenigstens in den Dingen, die wirklich wichtig sind, in denen nämlich die Zukunft, die Ewigkeit auf dem Spiel steht. Deswegen weiß er doch, daß es eigentlich keiner Anstrengung unsererseits bedarf. Alles ist uns schon geschenkt. Gottes Liebe gehört uns schon und sie wird uns durch den Tod ins Leben führen. Wie wäre das schön, wenn man unserem Leben hier und heute schon etwas davon ansehen könnte, daß wir das wissen!

Die Predigt wurde gehalten von Pfr. Manfred Günther, Lohgasse 11, 35325 Mücke/Groß-Eichen