Ansprache zur Gold. Hochzeit: Eheleute K. - 3.6.2001 Mt. 28,20 Liebes Goldenes Brautpaar, liebe Gäste! In unserem Trauungsbuch stehen sie beide auf Seite 308: K., R., Mechaniker und M. E., ohne Beruf. Er: geboren in ........ im Sudetenland, sie: aus Groß-Eichen gebürtig. Dann steht da noch ihr Geburtsdatum, der Tag ihrer Trauung (3. Juni 1951, 14 Uhr), die Trauzeugen (ihre beiden Väter) und insgesamt dreimal der Name "K. ", immer mit "dt", obwohl sie doch nur mit "d" geschrieben werden. Diese Angaben sind einigermaßen nüchtern. Deshalb wollen wir jetzt nach dem fragen, was damals und gewiß auch heute ihre Herzen bewegt hat: Ich denke mir, schon vor 50 Jahren war ein großes Staunen in ihnen! Denn was haben sie damals nicht alles an Wundern erlebt! Ihre Familie war aus dem Sudetenland vertrieben worden. Sie lieber Herr K. wurden 1944 zur Wehrmacht eingezogen. Vier Jahre später - nach sehr bewegter Zeit voller Gefahren und Ängsten - ist die ganze Familie kurz vor Weihnachten 1948 wieder komplett - in Groß-Eichen, wo sie seitdem alle eine Heimat gefunden haben. Und nicht nur das: Auch noch die Liebe des Lebens finden sie hier. Und wie war das auf ihrer Seite, liebe Frau K.? Da gab es doch auch aus unserem Dorf, trotz mancher Verluste durch den Krieg, einige junge Männer... Aber es sollte der sein, der da erst 1947 hierher kam. - Es ist für sie sicher nicht übertrieben, so zu reden, aber ist das nicht wirklich alles zum Staunen und "wunder"-bar gewesen? Und heute - nach 50 Jahren gemeinsamer Zeit - müssen wir da nicht sagen: Das sollte wohl so sein. Da hat Gott seine gute Hand im Spiel gehabt. Er hat den Mann und seine Familie hierher und sie zwei zueinander geführt. Ja, ganz deutlich: Sie waren füreinander bestimmt! - Ich bin sicher, sie können das auch so sehen. Und überdies denke ich mir: Gerade diese wunderbaren Fügungen, die sie erlebt haben, dieses Wissen, Gott hat uns zueinander geführt und füreinander gedacht, hat sie bewegt, heute auch hier in der Kirche um einen Dankgottesdienst zu bitten. Was Pfr. W. ihnen vor 50 Jahren auf den Eheweg mitgegeben hat, paßt auch wunderschön zu diesem Gedanken, daß sie füreinander gemacht sind und daß ein anderer seine Hand im Spiel ihres Lebens hatte und hat. Dieser Trauspruch ist der allerletzte Vers des Matthäusevangeliums, Mt. 28,20: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Ein Wort Jesu Christi zu seinen Jüngern, kurz bevor er zu seinem Vater im Himmel zurückkehrt. Ein Wort unseres Herrn an seine Leute. Als wir vor Tagen über diese Stunde in der Kirche sprachen, gab es für sie gar keinen Zweifel: Dieser Trauvers sollte auch heute über dieser Feier stehen. "Siehe, ich bin bei euch..." Sie haben gute Erfahrungen mit diesem Vers gemacht. Sehr persönliche Erfahrungen, gewiß! Aber man darf die heute gewiß einmal ansprechen: Angefangen haben sie beide in einer Zeit, die nicht so rosig waren. Die jungen Leute heute können sich das kaum noch vorstellen, wie man da arbeiten mußte, wie deutlich einem da noch war, daß man wirklich für "sein täglich Brot" schaffte. Viel mehr als das kam wohl auch selten heraus nur ein paar Jahre nach dem Großen Krieg. Und man spürte wohl auch noch deutlicher, daß es nicht nur auf die eigene Leistung ankommt, sondern daß ein anderer seinen Segen auf so ein gemeinsames Leben legen muß...siehe, ich bin bei euch! Für sie beide kamen bald viele gute Jahre, eine Zeit voller Schaffenskraft, Erfolg im Beruf, sie konnten sich etwas aufbauen, es gab manches Glück und schöne Erlebnisse. Sicher gab's auch schwere Tage, aber die gehören ja auch dazu und die können zwei Menschen, die sich liebhaben, auch bestehen..., vor allem, wenn da noch ein dritter dabei ist und wenn man weiß, daß es stimmt: Siehe ich bin bei euch! Einen Sohn hat ihnen Gott geschenkt. Ein Haus durften sie bauen. Der Beruf - und da meine ich auch ihre Arbeit in Haus und Familie, liebe Frau K. - hat sie erfüllt und ihnen viel Freude gemacht. Zwei Enkel durften sie großwerden sehen. Und schließlich steht ihnen heute sicher auch manches Ereignis der 50 vergangenen Jahre vor Augen, das sie vielleicht erst erschreckt und geängstet haben, das dann aber doch gut ausging. Immer wieder zeigte sich ein Weg. Oder besser: Immer wieder hat ihnen Gott einen Weg gezeigt. Immer überwog das Glück die Schwierigkeiten und den Kummer. Es ist wahr geworden: Siehe, ich bin bei euch alle Tage! Und so können wir sicher all ihre Gefühle heute, all die Erinnerung und alle Gedanken, die sie bewegen, in ein einziges Wort fassen: Dank, heißt dieses Wort. Oder besser: Es heißt: Danke! Und dieser Dank ist für sie heute Anlaß für diese Feier in der Kirche und für das ganze Fest dieses Tages. Es ist der Dank an den Herrn, dessen Hand, dessen Bewahrung und Hilfe sie 50 Jahre lang immer wieder spüren durften: Siehe, ich bin bei euch! Aber wir wollen heute nicht nur zurückblicken. Wir stehen ja an diesem Tag nicht am Ende einer Entwicklung. So Gott will und solange er will, soll es für sie weitergehen auf der Lebensreise einer mit dem anderen. Dieser Freudentag ist nur ein Halt, eine Station auf ihrer Ehereise, Gott schenke ihnen noch eine lange, glückliche Zukunft! Und auch das ist in ihrem Trauvers schon enthalten, er geht ja auch weiter: Siehe, ich bin bei euch, bis an der Welt Ende. Das ist eine Zusage für die ganze Zeit eures Lebens, die Gott euch beiden noch schenken will. Wer wird daran auch zweifeln können? Wenn er soviel Gutes erfahren hat. Wenn er 50 Jahre lang Weisung und Geleit durch den Dritten im Bunde erleben durfte? Immer sind das ja unsere Erfahrungen in der Vergangenheit, die uns für die zukünftige Zeit hoffen lassen. Zwei Menschen mit den Erfahrungen ihres Lebens werden wohl nur zuversichtlich nach vorn schauen: Was soll denn geschehen, wovor sie sich fürchten oder gar entsetzen müßten? Was kann ihnen denn zustoßen, mit Gott an ihrer Seite, der es gesagt und immer wieder erfüllt hat: Ich bin bei euch? Aber das meint ja noch mehr - und wir wollen auch das heute nicht beiseite tun: ...bis zum Ende der Welt...bis wir von dieser Welt müssen, bis sich der Bogen unseres Lebens neigt, bis aus dem Abend unserer Tage Nacht wird. Und ich weiß, daß auch diese Gedanken ihnen nicht fremd sind. Es wäre auch kein rechtes - und schon gar kein christliches - Ehejubiläum, wenn wir jetzt nicht auch fest in die Zukunft schauen würden. Wir können das, weil diese Zukunft eben demselben Herrn gehört, der bis heute mit Euch gegangen ist. Ja, wir wissen als Christen, daß es dann mit diesem Herrn nicht zuende ist, es wird dann erst geradezu anfangen! Bei diesem Blick über dieses Leben hinaus rundet sich erst das ganze Bild und auch der Kreis, den diese Ansprache ziehen wollte: Das ist ja doch der letzte, der einzige Sinn, wenn der Herr der Christen unser Leben behütet und begleitet - daß er's uns am Ende zum ewigen Leben bewahrt! Fragen sie mich nicht, warum er das für uns manchmal doch gar nicht so freundliche, mißgünstige und oft so undankbare Leute tut. Aber er tut es, er will es tun! Darauf zielt sein ganzes Bemühen um seine Menschen, daß er sie am Abend des Lebens in das Reich seiner Herrlichkeit führt, in eine neue ewige Welt, die auszumalen unsere Vorstellung und unsere Worte niemals reichen. Eigentlich hat auch dieser Gedanke noch Platz in eurem Trauspruch, liebe Eheleute K. Ich will dieses Wort, das euer Leben begleitet hat, jetzt so sagen: So spricht der Herr: Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende - und dann bis in alle Ewigkeit. Liebes Goldenes Brautpaar, ich wünsche euch noch lange und schöne gemeinsame Jahre und immer wieder gute Erfahrungen an der Hand des Herrn, der sie ihr Leben lang nicht verlassen hat und in alle Ewigkeit nie verläßt. AMEN