Predigt am Heiligen Abend - 24.12.1998 (Predigt für die Christvesper oder Christmette der erwachsenen Gemeinde! Die Predigt kann von einem oder mehreren SprecherInnen gehalten werden! Zu Beginn des Gottesdienstes haben alle Gäste des Gottesdienstes eine noch nicht entzündete Kerze bekommen!) Liebe Gemeinde am Heiligen Abend / in der Heiligen Nacht! Mehr als sonst spüren wir heute abend / in dieser Nacht, wie wir uns insgeheim sehnen. Wir sind auf der Suche - wie die Hirten damals und die Könige. Das hat uns heute abend wohl auch hierher ge- führt, in die Kirche, in die Nähe von Lichterbaum und Krippe, dorthin, wo wir dem Geheimnis dieser Nacht nahe sind und auch den Gefühlen in unserem Herzen. So ein bißchen weh ist uns doch jetzt hier drinnen, nicht wahr? Wie einen Hunger fühlen wir unseren Mangel. Wir hätten so gern Freude, Sinn, Hoffnung und ein Ziel. Wie ein Durst ist das, der da in uns brennt, und er möchte gestillt wer- den: Durst nach einer Mitte im Leben, nach Aufgaben, die reich und froh machen, nach Menschen auch, die uns verstehen und was auch kommt zu uns halten. Durst nach Gott, Hunger nach dem Glauben, dem gewissen Vertrauen, wir sind geborgen und geliebt. - Liebe Schwestern, liebe Brüder, Gott will uns satt machen in dieser Nacht! Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Doch: Diesen Hunger spüren wir alle. Dieses Sehnen ist in uns. Wir möchten gerne etwas mitnehmen von hier, ein wenig Hoffnung, ein wenig Licht, das uns den Weg bescheint, den wir von heute an gehen. Uns fehlt so viel: Orientierung in dieser Welt, in unserem Leben, Glauben und Freude... Manchmal ist uns doch, als wäre uns das Licht unseres Lebens abhanden gekommen. Wir tappen im Dunkeln umher, suchen hier und probieren dort etwas aus - aber die Leere im Inneren bleibt. Wenn uns nur einer den Weg zeigte, die Richtung für feste, sichere Schritte. Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Ja, wir suchen ein Licht für unseren Weg! - Ob wir nun auch ertragen, wenn Gott uns heute deutlich und sehr persönlich die Wahrheit sagt? Ob wir hören können und beherzigen, was er uns durch sein Wort in dieser Nacht ausrichten läßt?: Textlesung: Joh. 3, 16 - 21 Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glau- ben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der haßt das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, daß seine Werke in Gott getan sind. Ob wir uns das sagen lassen? Ob wir daran begreifen, wie weit wir uns von Christus und seiner Sa- che entfernt haben? Ob uns heute klar wird, daß wir mit ihm auch das "Licht" unseres Lebens verlo- ren haben? Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Ob wir uns nun sogar noch das gefallen lassen, wenn uns diese Worte in unser Leben hinein- über- setzt werden? Noch ist uns ja wohltuend fern, was Gott hier spricht: Das Licht ist in die Welt ge- kommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren bö- se... Da sind ja so viele gemeint. Das geht noch nicht unter die Haut. Aber immerhin: Das stimmt doch! Christus haben wir längst hinausgeworfen aus unserer Zeit, aus dem Alltag sowieso, aber auch aus dem Sonntag. Allenfalls in einem Herrgottswinkel unseres Le- bens dulden wir ihn noch: Wenn wir unsere Kinder taufen oder konfirmieren lassen, wenn wir hei- raten, wenn ein Mensch zu bestatten ist und - ja - jetzt an Weihnachten natürlich. Nein, wir haben das Licht, daß in die Welt gekommen ist, nicht aufgenommen. Es ist viel Finsternis in uns. Können wir uns wundern, daß wir diese Sehnsucht in uns haben, und daß wir uns oft fühlen, als müßten wir verhungern und verdursten? Und das wollen wir heute auch bekennen: Wir haben es oft ganz gern, daß nicht alles in uns ans Licht kommt, daß manches, was wir tun, reden und vielleicht denken von gnädigem Dunkel bedeckt bleibt... Aber, wer kann auf Dauer leben ohne Licht, immer im Finstern, abgeschnitten auch von allem, was ihn hält und nährt? Ziellos und unerfüllt, immer auf der Suche nach Sinn und Halt. Was haben Men- schen nicht alles probiert, daß es heller wird in ihrem Leben? Welchen trüben, fragwürdigen Lichtern sind wir nicht nachgelaufen? Woran haben wir nicht alles geglaubt, und was alles sollte uns nicht retten? Wieviel Trug und Kram haben wir leichtfertig eingetauscht gegen das Licht, das doch allein unser Leben erhellen kann? Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Wie oft schon haben wir deutlich und schmerzlich gespürt, daß wir das Licht unseres Lebens verlo- ren haben! Wie viele Wege, die wir gegangen sind, waren dunkle Sackgassen!? Ach, wir haben es wohl gemerkt! Aber wir sind weitergegangen - wissentlich in der falschen Richtung. Wir haben uns in der Arbeit verlaufen, im Schaffen und Hetzen. Immer betriebsam! Immer keine Zeit! Immer etwas "Wichtiges" zu tun. So mußten wir nicht zum Nachdenken kommen, nicht diese Gedanken an den Sinn, an das Woher und das Wohin, nicht diese Gefühle, die so wehtun. Andere sind in die Güter und Sachen geflüchtet, oder in Kurzweil, Vergnügen und Unterhaltung. "Wir amüsieren uns zu Tode", hat ein Autor unserer Tage geschrieben und er hat an den Fernseh- konsum in manchen Familien gedacht. Wollen wir so nicht eigentlich die Gedanken und schmerz- haften Fragen nach dem Leben vermeiden, dem wahren, vollen Leben? Immer gibt es etwas zu se- hen, immer ist irgend etwas los, etwas oder jemand lautstark zu feiern... So lassen sich die leisen Regungen unserer Seele übertönen. Schwach und schwächer werden sie. Bis sie zuletzt ausgehen wie die Flamme einer Kerze. Dann breitet sich Finsternis aus - trotz aller glänzenden Vergnügungen. Schließlich suchen viele im Rausch ihr Heil und das Vergessen. Die Droge "Alkohol" soll zudecken und in Schach halten, was uns sonst so erschreckend bewußt würde und uns anspringt wie ein Raubtier. Aber er deckt eben nur zu und hält nur auf Zeit zurück, was uns wieder und wieder an- greift und unsere Antwort fordert: Was ist das Licht in deinem Leben? Wer ist dein Herr? An was glaubst du eigentlich noch? Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glau- ben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Heute wird er in dieser Welt geboren. Nein, das ist kein Fest der bloßen Erinnerung an damals...vor 2000 Jahren in Bethlehem... Heute kommt er zur Welt und zu dir und mir. Verstehen wir die Zei- chen? Von einer Futterkrippe zum Kreuz führt sein Weg. Vom Holz des Viehtrogs zum Holz des Galgens. Durch sehr viel Finsternis muß er gehen. Alles Dunkel dieser Welt lernt er kennen. Lassen wir darum endlich die Gedanken fallen, er hätte doch nichts mit solchen Leuten zu tun, wie wir es sind. Das ist doch unser dunkles Leben, das er teilt. Das ist doch unsere Sehnsucht, in die er sein Licht bringt. Er ist der Sinn, der unser Leben erfüllen kann. Wir sind durch ihn begleitet bei allem, was wir erleben und uns zustößt. Gott ist ein Mensch in meiner Nähe! Mit ihm an der Seite weiß ich den Weg: Vielleicht wird auch mir das Kreuz nicht erspart bleiben, aber in seiner Kraft geht mir hinter jedem Dunkel auch wieder sein Osterlicht auf. Von ihm kommt mein Auftrag, Aufgaben an den Menschen, die Sinn schenken und ein zufriedenes Herz: Sieh doch einmal weg von dir auf deinen Nächsten, deinen Nachbarn, den Mitmenschen in der Nähe und in der Ferne. Mit deiner Hilfe kann er froher werden, weniger einsam, kann er zurechtfinden und und ein Stück von der Liebe Gottes erfahren - und dir selbst ist auch geholfen! Orgel- oder Flötenmusik, Liedvers Das Licht ist in die Welt gekommen! Und es ist ja doch auch wahr, daß wir diesen Herrn einmal an- genommen haben, daß wir uns den Weg von seinem Licht bescheinen lassen wollten. Wie wir ihn vielleicht verlassen haben, können wir auch wieder zu ihm zurückkehren. Wie wir das Licht unseres Lebens verloren haben, so kann es uns heute neu aufgehen. Das werden wir jeden Tag ganz prak- tisch spüren und so, daß es unser Leben verändern kann: Wenn wir vielleicht das Beten neu begin- nen und darin unsere Sorgen vor Gott ausbreiten, wenn wir dem Vater unsere Bitten nennen, ihn aber auch über allem Schönen, allem, was uns gelingt, loben lernen und ihm auch dafür danken. Sein Licht wird auch sichtbar, wo sein Wort gepredigt und gelebt wird - und lassen wir die Prediger des Wortes und die Mitchristen doch auch Menschen sein, die nicht besser sind, aber auch nicht schlechter als wir, aber eben Mit-christen, Brüder und Schwestern. Und sein Licht leuchtet vor allem da, wo wir selbst zum Licht werden und so den Glanz Christi in dieser Welt verbreiten helfen, die ja an so vielen Stellen so furchtbar dunkel ist - auch ganz in unse- rer Nähe! So wird uns heute sein Licht geschenkt, das Licht, mit dem wir sichere Schritte machen können. Aber noch einmal: Mit diesem Licht in Händen werden wir nicht am Dunkel und allem Schweren vorbeigeführt, aber wir werden mitten hindurch schreiten können, mit einem ewigen Ziel vor Augen. Liebe Schwestern, liebe Brüder, in dieser freundlichen Nacht! Heute wird unser Sehnen gestillt. Un- ser Durst darf trinken. Unser Hunger wird satt. Mit Christus unterwegs durch unser Leben haben wir das Licht, den Sinn und die Fülle gefunden. Jetzt wird bei uns nicht mehr alles so bleiben, wie es immer war. Wir werden unser Leben ändern, weil wir selbst nicht mehr dieselben sind! Ob nicht schon dieses Sehnen, das uns heute nacht zur Krippe unseres Herrn getrieben hat, von Gott kam? Ob das nicht sein Sorgen war, daß die Haut unserer Seele in dieser Nacht so dünn ist und die Ge- fühle so offen liegen? Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glau- ben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott hat seinen Sohn in die Welt ge- sandt, daß die Welt durch ihn gerettet werde. - Das Licht ist in die Welt gekommen... Dieses Licht vertreibt alles Dunkel und führt uns den Weg zum Ziel. Gemeinsames Lied: EG 37, 1 - 4 "Ich steh an deiner Krippen hier..." (Während des Liedes verteilen der oder die SprecherInnen und / oder HelferInnen das Licht, ent- zündet an der Altarkerze an die jeweils ersten in den Bankreihen, diese geben das Licht in die Rei- hen weiter.)