Predigt am Ostersonntag - 12.4.1998 Textlesung: 1. Kor. 15, 1- 11 Liebe Gemeinde! Ich hoffe, sie halten mich jetzt nicht für überheblich: Aber ich finde das rührend, wie Paulus hier argumentiert, wie er überzeugen will, wie er versucht, seinen Lesern klar zu machen, was doch mit dem Verstand nicht zu begreifen ist: Jesus ist auferstanden! Als könnte dazu einer ja sagen, wenn ich ihm nur genügend Zeugen nenne, die es auch gesehen haben oder besser, gesehen haben sollen, daß Jesus wieder ins Leben zurückgekehrt ist. Daran kann keiner glauben, bloß weil ich auf ihn einrede. Darauf wird keiner seine Hoffnung setzen, nur weil dieser und jener doch auch dabei war. Davon kann niemand leben, bloß weil er von anderen hört, daß sie davon ausgehen... Damit fällt aber auch unsere Meinung dahin, die wir doch insgeheim hegen, daß es die Menschen zur Zeit Jesu mit dem Glauben an ihn doch leichter gehabt hätten. Das ist ja nicht wahr! Paulus hat damals - nur mit seinen Worten - niemand für den auferstandenen Christus gewinnen können. Er kann das heute auch nicht! Und eigentlich wissen wir auch, daß es so ist. Denn uns - als Leute, die heute an Jesus Christus glauben - geht es ja nicht anders! Vielleicht wollten wir unserem heute erwachsenen Kind in der Erziehung so gern das für seinen Glauben vorlegen: „Jesus Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben und auferstanden.” (Wir wollten unserem Kind sicher noch einiges mehr für den Lebensweg mitgeben, aber lassen wir es einmal dabei.) „Jesus Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben und auferstanden.” Hat unser Kind zu diesem Glauben gefunden? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Aber es hat nicht daran gelegen, ob und daß wir diese Worte immer und immer wieder vor sein Ohr gebracht haben. Ganz ähnlich ist es damit: Es nützt auch nichts, wenn ich einem Menschen aus unserem Dorf, vielleicht meinem Nachbarn oder meinem alten Schulkameraden immer und immer wieder vom ewigen Leben rede. Wenn ich ihn damit trösten will, wenn ich ihn also nach einem Abschied von einem lieben Menschen damit erinnern will, daß er doch jetzt nicht verzweifeln muß, weil er das doch weiß und glaubt, daß dieser gestorbene Mensch nicht ins Nichts gefallen ist vielmehr in Gottes gute Hände... Wenn ich ihm das sagen will, dann ist es gut, sehr gut sogar. Aber - wenn er’s nicht glauben kann, dann wird er’s daran nicht glauben können, daran nicht! Das ist wie mit so vielen anderen Dingen: Nur weil wir, die schon einmal mitgefahren sind auf Familienfreizeit, es sagen: „So eine Freizeit ist eine tollen Sache”...nur darum werden wir nicht einen Mitfahrer hinzugewinnen! Oder wenn es um die Liebe geht: Wir können das beteuern und versichern wie wir wollen: „Ich liebe dich immer noch, du bist mir das wichtigste im Leben...” Wenn unser Partner das nur hört, wenn wir das nur mit dem Mund sagen und er es nur mit den Ohren hören kann, dann ist das nicht viel mehr als...heiße Luft! Da können wir auch noch so viele Zeugen heranziehen, die doch damals auch in der Kirche und beim Standesamt anwesend waren, wo wir es doch schließlich laut und deutlich versprochen haben und doch sogar der Herr Pfarrer dabei war... Aber was können wir denn nun tun? Was hätte Paulus denn tun können, um seine Hörer zu überzeugen: „Jesus lebt. Er ist auferstanden!” Vielleicht hätte er nur sagen müssen: „Achtet doch unter euch auf die vielen Zeichen, die es zeigen: Jesus lebt mitten unter euch.” Und vielleicht hätte er das eine oder andere Beispiel geben können: „Daß da neulich bei euch diese böse Sache so gut ausging...daran habt ihr es gesehen: Christus ist bei euch. Er ist nicht tot. Gott hat ihn auferweckt. Er ist in eurer Gemeinde wirksam! Und daß eure Gemeinschaft immer größer wird und ihr Verfolgung und Haß der Heiden nicht schaden können, auch daran seht ihr: Christus ist bei euch und hat acht auf euch.” Und ich glaube, nicht anders geht das heute: Erzählen wir unserem Kind von den langen Stunden an seinem Bett, als es krank war. Wie wir uns gesorgt haben und gebangt. Und wie uns das vorkam, als es dann wieder gesund wurde, wie sehr wir da gespürt haben, daß einer mitgeholfen hat, von dem wir in unserem Glauben wissen, daß er immer ganz nah ist, auch wenn wir ihn nicht sehen. Und sprechen wir unserem Kind auch davon, wie oft wir unsicher waren bei dem, was wir verbieten mußten oder erlaubt haben, wie oft wir über ihm und für es gebetet haben, weil wir spürten, hier können wir nichts mehr machen, hier muß ein anderer seine Hand über unser Kind halten. Und sagen wir ihm auch, daß wir das eben oft ganz sicher wußten: „Wenn ich dich auch nicht behüten kann, der lebendige Jesus Christus hat dich in seiner Hut!” Und unserem Nachbarn, unserem Kameraden... Sagen wir nicht so viel von diesen großen Worten: „Jesus lebt. Der Herr ist auferstanden.” Deuten wir ihm lieber sein Geschick, soweit wir es kennen: „Daß du aus dem Krieg heimgekommen bist - hättest du das damals gedacht? Die schwere Operation vor Jahren - du bist wieder ganz gesund geworden! Weißt du noch, deine ganz schwere Zeit als du in Rente gegangen bist - wieviel Schönes ist dir doch aber jetzt noch geschenkt worden!” Jetzt dürfen wir hinzufügen: „Für mich zeigt das, wir sind nicht ohne Gott in dieser Welt. Mir wird daran deutlich, daß Jesus Christus mächtig in unser Leben eingreift. Darum sage ich: Er lebt. Er ist auferstanden.” Und was die Familienfreizeit angeht oder andere Veranstaltungen unserer Gemeinde: Reden können wir da viel! Wenn wir einen aber dazu kriegen, daß er einen Versuch macht: „Gut, ich lasse mich dieses Jahr einmal darauf ein, ich propier’s... Ich komme einmal zum Bibelkreis, probeweise...” Wenn wir das erreichen, dann werden die Erfahrungen für sich sprechen...und für ihn: Den lebendigen Jesus Christus! Und wo wir an die Liebe denken, da ist es schon gar nicht anders: Wir können es noch und noch mit unseren Worten beteuern...ein einziger Kuß kann es machen, daß wir Glauben finden und vielleicht große, tiefe, strahlende Augen, an die wir uns gar nicht mehr erinnern konnten... Und wenn wir die 100 oder 150 Menschen einzeln herbeten, die doch damals dabei gewesen sind...eine zärtliche Geste kann mehr als alle Worte. Und wenn wir dann noch das gänzlich unerwartete Geschenk machen (es muß gar nicht groß sein!), vielleicht einen Abend zu zweit wie früher...und schon so lange nicht mehr, ein Besuch in der Oper, weil sie - eine Fahrt zu einer Ausstellung, weil er das so mag... So wird Liebe glaubhaft und lebendig! Und da sind wir zurück bei Paulus und seiner Botschaft, daß Jesus auferstanden ist und heute lebt. Da wollen wir es genau so machen. Nicht bloß Worte. Nicht beteuern und wiederholen, deuten! Daß du genug zu essen hast, dich kleiden kannst und ein Dach über dem Kopf hast - das verdankst du ihm, Jesus Christus. Daß dir neulich im Krankenhaus der Mut nicht ausging - ER war bei dir und hat dich getröstet. Daß du bei unzähligen Gelegenheiten bewahrt, gesund und unverletzt geblieben bist - das war seine schützende Hand über dir! Daß dich so viele Menschen lieb haben und trotz deiner Fehler und Schwächen bei dir aushalten - das macht die Liebe, mit der er uns alle zuerst liebt. Ob Jesus heute lebendig ist? Ob er auferstanden ist? Schau dein Leben an. Da wirkt er. Du siehst ihn vielleicht nicht, aber du spürst ihn. Dort bekommst du Antwort. AMEN Die Predigt wurde gehalten von Pfr. Manfred Günther, Lohgasse 11, 35325 Mücke/Groß-Eichen Lieder: Psalmliederbuch S. 36; EG 106,1-5; 613,1-4; 108,1-3